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Bessy, die Boxerhündin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mainz vertraute sie, auch sie bekam einen Händedruck. Und als die Assistentin herein kam, die alles aufzuschreiben hatte, musste Bessy natürlich nochmal vom Tisch herunter und sie ebenfalls begrüßen. Und dann, wie bei ihrem Eintritt, mit Schwung wieder auf den Edelstahl-Tisch rauf - und fast wäre sie auf der anderen Seite wieder runter gerutscht! Auch eine Brust-OP konnte ihrer Zuneigung nichts anhaben.

 

Bei meinem Umzug von Bad Kreuznach nach Mainz halfen mir Freunde, und ich hatte natürlich für Essen und Trinken gesorgt, heißt: Brötchen mit Fleischwurst - und Bier.

Irgendwann hatte ich auch für mich ein Brötchen zubereitet, es aber dann beiseite gelegt, weil einer der starken Männer irgend etwas wissen wollte. Dann wollte ich mein Wurst-Brötchen essen ... und da war keines mehr. Ich war perplex! Ich zweifelte an mir selbst! Ich fragte alle, ob sie denn ... Aber letztendlich musste ich einsehen: Bessy hatte - wie es sich gehört - das Brötchen mit der Wurst (oder umgekehrt) gefressen. Sie wusste eben, was sich gehört! Zeigt mir nochmal einen Hund, der nicht nur die Wurst fressen würde!!!

 

Und es gibt die Geschichte vom Samstagmorgen-Einkauf. Sie durfte natürlich mit. Vor dem Lebensmittelgeschäft band ich sie an, denn sie durfte selbstverständlich nicht mit hinein. Aber schauen wollte sie, wo Frauchen bleibt. Also stand sie quasi zwischen Tür und Angel; und eine Frau rief nach mir, weil sie sich nicht traute, an Bessy vorbei zu gehen; denn Bessy hatte wieder ihren Zahn draußen und diese Frau hatte Angst vor ihr.

Als ich dann fertig war mit meinen Einkäufen und wieder vor die Tür trat, bot sich mir folgendes Bild: Ein kleiner Junge, wohl so 3 - 4 Jahre alt, stand neben Bessy; er war gerade mal so groß, dass er einen Arm um sie legen konnte. In der anderen Hand hatte er ein Brötchen - und er verfuhr nach dem Schema: ein Löffelchen (Bissen) für dich, ein Löffelchen (Bissen) für mich. Und Bessy biss ganz vorsichtig ab; normalerweise wäre so ein bisschen Brötchen mit einem Happs weg gewesen.

 

Wie wir alle wissen, sehen Boxer von Natur aus schon etwas ulkig aus durch den Unterbiss, den sie haben. Und alle Hundehalter wissen auch, dass Hunde die gleichen Krankheiten bekommen können wie wir Menschen. Denn wir sind alle nur Säugetiere. ☺ Nun stellt euch einen Boxer mit Mumps vor! Noch ulkiger! Aber die Krankheit, die mit hohem Fieber einher ging, schlauchte Bessy enorm. Ich hatte Angst, dass sie mir unterwegs zur Ärztin zusammenbricht.

Zum Glück gab es im Nachbarort einen Taxifahrer, den ich vom Bogenschießen her kannte, der bzw. dessen Vater auch in Notfällen mal mit dem Privatwagen kam, um mich und Bessy zu transportieren.

 

Dann kam die Brust-OP mit dem histologischen Ergebnis: Krebs! Sie verkraftete die Operation aber erstmal sehr gut. Auch wenn sie natürlich einige Zeit einen Verband tragen musste, und darüber trug sie - damals ganz modisch, wie auch die Assistentin der Tierärztin befand - ein dunkelblaues T-Shirt von micmac, dem Laden von Gunter Sachs in St. Tropez, mit einem weißen Tape um die Hüften. Was dann einen Herrn in Mainz am Bahnhof, wo ich mit Bessy auf den Bus wartete, erst zu einem ungläubigen Zweimal-Hinschauen, und dann zu einem total empörten Kopfschütteln veranlasste. Er glaubte wohl, ich hätte Bessy aus “Lust und Dollerei” so angezogen.

Andere Leute, denen wir begegneten, erkannten gleich, dass das dem Schutz eines Verbandes dienen müsse, und fragten teilnahmsvoll nach der Art der Wunde.

 

Leider kam der Krebs wieder. Ich ersparte Bessy weitere Leiden und ließ sie von der Tierärztin einschläfern; und auch an diesem Tag ging sie gerne mit dort hin.

Da sie Foxi kannte, wird sie nun sicher schon lange mit ihm im Hundehimmel herumtollen und sich ihres neuen Lebens freuen. Vielleicht sehe ich sie ja eines Tages wieder.

 

 

 

 

Herbert auf dem Gastronomen-Ball

 

Jedes Jahr veranstaltete der Hotel- und Gaststättenverband an Aschermittwoch einen Ball für “seine” Gastronomen. Natürlich nahm auch mein Vater mit seiner Frau nach Möglichkeit daran teil. Denn er mochte solche Festlichkeiten. Man sass mit Freunden und Bekannten zusammen, lästerte über Ungewöhnliches und Absonderliches.

 

So fiel dem Grüppchen um meinen Vater auch ein für damalige Zeiten ungewöhnliches Paar auf: Sie jung und hübsch, er viel älter und UND, die nie tanzten.

 

Nach längerem Lästern wollte sich mein Vater der jungen Frau erbarmen, stand auf, zog sein Jackett gerade, ging zum Tisch der Beiden, verbeugte sich artig vor dem Herrn und bat um einen Tanz mit dessen Tochter.

 

Der ältere Herr dankte, und er beschied meinen Vater: “Nein, danke, meine Frau tanzt nicht.”

 

Mit hochrotem Kopf (wahrscheinlich) trottete mein Vater zu seinen Freunden zurück, deren liebevollen Spottes er sich gewiss sein konnte.

 

 

 

 

Meine Arbeit in Mainz

 

Kurz nach 6 Uhr am Morgen musste ich mit dem ersten Bus, der von unserer Haltestelle aus fuhr, zum Bahnhof, dann mit dem Zug nach Bingerbrück, dort umsteigen nach Mainz, wo ich kurz nach 7 Uhr ankam. Dann noch ein kleiner Fußmarsch (in Ausnahmefällen auch eine Fahrt im Bus) - und ich war in der Klinik, wo um 7.30 Uhr mein Dienst begann. Und Abends eben wieder umgekehrt.

 

Da zum einen die Fahrtkosten von Bad Kreuznach nach Mainz recht hoch waren, außerdem der Zeitaufwand beträchtlich, machte ich mich bald auf die Suche nach einer geeigneten Wohnung. Ich fand eine Einliegerwohnung in einem Neubau-gebiet einer benachbarten Gemeinde. Meine Befürchtung hinsichtlich Bessy, denn bekanntlich mögen manche Hausbesitzer keine Tiere, zerschlug sich sofort: Meine Vermieterinnen hatten wohl früher selbst Boxer und freuten sich auf Bessy.

 

Über meine Einweihungsfeier, zu der ich viele meiner Kolleginnen eingeladen hatte, habe ich schon im Kapitel über Bessy berichtet. Einziger Mann dabei war Hans-Jürgen T., der einzige frühere “Schützenbruder”, der noch Kontakt zu mir hielt, und der mir lange z. B. beim Einkaufen sperriger oder schwerer Dinge zur Hand ging. Auch ihm widme ich hier ein eigenes Kapitel.

 

Mein Aufgabenbereich: Schreiben der Herzkatheter-Berichte, Schreiben der Entlassungsberichte einer Station, Schreiben von Arztunterlagen für Seminare, Vorträge, Symposien - meist in Englisch. Auch wenn Englisch in der Schule meine letzte Fremdsprache gewesen war, meisterte ich auch diese Aufgabe nach anfänglichen Schwierigkeiten.

Außerdem vertrat ich die Sekretärin des ltd. Oberarztes während deren Abwesenheit.

 

Ich hatte ein eigenes Büro im Obergeschoss eines Altbaues, aber nahe beim Herzkatheterlabor, wo ich manchmal auch Akten einsehen bzw. bearbeiten musste.

Natürlich war mir zumindest anfangs die Nomenklatur nicht immer geläufig bzw. diktierten die Ärzte auch oft sehr undeutlich, so dass ich öfter mal bei Kolleginnen, die schon länger in dieser Klinik arbeiteten, nachfragen musste. Und wenn ich dann fragte: “Und was ist das?”, bekam ich so gut wie immer zur Antwort: “Das weiß ich nicht, aber das heißt so!” Das befriedigte mich absolut nicht. Denn wenn ich etwas schreibe, dann möchte ich auch wissen, was es bedeutet. Ich bin doch kein Papagei!

 

Also schaffte ich mir erst mal ein einigermaßen geeignetes medizinisches Lexikon an, denn der berühmte “Pschyrembel” ist

ja nur ein Wörterbuch, und das erklärt nichts.

 

Als dann die Johanniter-Unfallhilfe (JUH) einen Kurs zur Krankenpflegehelferin anbot, meldete ich mich dort an. Ich beantragte natürlich dafür den mir zustehenden Bildungsurlaub, der mir auch genehmigt wurde.

Für den erforderlichen praktischen Teil des Lehrgangs im Anschluss an die Theorie hatte ich im Pflegedienstleiter der Klinik einen Fürsprecher; ich konnte auf der Station IV arbeiten.

Zum Glück für mich - obwohl makaber - hatte es in der Chirurgischen Klinik gebrannt, und ein Teil der dortigen Patienten war auch auf die Station IV verlegt worden, so dass ich dann nicht nur “innere”, insbesondere “kardiologische” Patienten, sondern eben auch chirurgische mitbetreuen musste/ durfte/konnte.

Außerdem fanden wohl die jüngeren Ärzte, gleich ob Assistenzärzte oder auch Oberärzte, meinen Einsatz und Wissensdurst fördernswert, so dass ich immer mal wieder aufgefordert wurde, zu assistieren - oder auch nur zuzuschauen, z. B. bei einer Sternalpunktion; und der durchführende Oberarzt ließ mir einen Sessel bringen; denn wie er sagte, hätte er es schon erlebt, dass Leute beim Zuschauen/Zuhören umgekippt wären.

Der Chef der Klinik, mit dem ich - oder der mit mir - nicht so gut konnte, war da wohl eher skeptisch, um nicht zu sagen negativ eingestellt. Und die, die ihm den Allerwertesten leckten, natürlich auch.

 

Jedenfalls kam es immer wieder vor, auch nach Ablauf meines Praktikums auf dieser Station, dass ich bei Personal-engpässen an Wochenenden gefragt wurde, ob ich denn aushelfen könne bzw. wolle. Und ich tat es immer gerne. War es doch auch eine Bestätigung für mich, denn wenn sie mit meiner Arbeit nicht zufrieden gewesen wären, hätten sie mich nicht gefragt.

Und es kam auch schon mal vor, dass ich, wenn ich nur als Sekretärin auf die Station kam, und ein Notfall war eingetreten, aufgefordert wurde, schnell eine Spritze xyz aufzuziehen, o. ä.

 

Neben meinen Tätigkeiten in der Klinik war ich auch noch ehrenamtlich für die JUH tätig. So versorgte ich am Abend schon mal bettlägerige Menschen zu Hause, und mehrere Tage in der Woche war ich bei einem querschnittsgelähmten Herrn; ich brachte ihn zu Bett, half ihm bei der Katheterisierung (seine unteren Körperteile waren nicht mehr funktionsfähig) und räumte seinen Darm aus.

 

Außerdem betreute ich einmal im Monat eine Gruppe erwachsener/jugendlicher Behinderter, die noch zu Hause lebten. Sinn dieser Gruppe war, den Eltern dieser Behinderten einen freien Abend zu ermöglichen.

 

Mittlerweile waren in der Klinik die Sekretärinnen, die früher alle nahe bei ihren Arbeitsbereichen gearbeitet hatten, in einem Stockwerk eines Neubaus am Rande des Klinikgeländes zusammengefasst. Was für ein Blödsinn!

Nun musste ich also, wenn ich z. B. etwas im Herzkatheterlabor in den Akten nachschauen musste, durchs ganze Klinikgelände gehen. Wie viel Zeit da verloren ging! Alles im Sinne des Fortschrittes! Nur zur Station IV hatte ich es näher, die war im selben Gebäude.

 

Während einer Vertretung der Oberarzt-Sekretärin lernte ich einen jungen Arzt aus dem Iran kennen, der in der Cardiologie und später dann auch in der Herzchirurgie ein Praktikum machte. Es stellte sich heraus, dass er in der Deutschen Schule in Teheran Schüler gewesen war, und dass er den Ehemann meiner früheren Hausärztin in Bad Kreuznach kannte, der dort Kunst unterrichtet hatte. Sie war zu Zeiten des Schah-Regimes in ländlichen Gebieten als Ärztin tätig gewesen. Mein Angebot, für ihn eine Verbindung mit seinem früheren Lehrer herzustellen, lehnte er ab. Er war wohl sehr vom Ayatollah-Regime überzeugt und versicherte auch, dass er unbedingt nach seiner Ausbildung in der Klinik wieder in den Iran zurückkehren wolle - um seinem Volk zu helfen. Es würde mich sehr interessieren, was aus ihm geworden ist.

 

Obwohl ich mich sehr bemühte, konnte ich es nicht mit meinen Kolleginnen, mit denen ich bisher nichts zu tun gehabt, und die ich kaum mal getroffen hatte. Es war MOBBING, was sie mit mir veranstalteten. Damals war dieser Begriff noch nicht bekannt, aber es war ganz klar so. Ich stand ständig unter ihrer Bewachung; sicher registrierten sie auch jeden Toilettenbesuch von mir. Jedenfalls notierten sie ständig, ob ich auf meiner Schreibmaschine schrieb oder nicht. Dafür vergeudeten sie ihre Arbeitszeit! Denn wenn sie fleißig geschrieben hätten, wie es ihre Aufgabe war, hätten sie mich nicht derart beobachten können.

 

Damals war ich nicht in der Lage gewesen, mich zu wehren; heutzutage wäre ich es vielleicht. Aber viele dieser Stellen sind sicher mittlerweile gestrichen worden. Meist tippen nun die Ärzte ihre Berichte selbst in den PC, wie ich bei Arztbesuchen immer mal wieder feststellen kann. Arztsekretärinnen gehören zu einer aussterbenden Spezies.

 

 

 

 

 

 

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Bessy, die als Welpin zu Hans-Peter gekommen war, und die dann, als er nach Nordamerika ging, bei mir blieb, war der freundlichste, liebenswerteste Hund, den man sich nur vorstellen kann. Obwohl sie oft sehr grimmig dreinschaute, weil sie einen unteren Eckzahn meist ÜBER der Oberlippen-Lefze trug. Aber wenn man ihr dann sagte: “Zahn weg!”, dann folgte sie.

 

Es gibt so viele Geschichten von ihr zu erzählen! Ich erinnere mich an meine “Wohnungs-Einweihung” in der Nähe von Mainz, zu der ich viele meiner Kolleginnen eingeladen hatte. Bessy sass auf einem Sessel und reichte jeder hoheitsvoll ihre Pfote zur Begrüßung; ohne Handschlag ging bei ihr nichts.

 

Auch bei der Tierärztin war das so. Bessy mochte Tierarzt-Besuche. Sie hatte wohl von Veterinären noch nichts Schlechtes erfahren; auch der "Neuen" in

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