Rajasthan

Resümee meiner Reise

Die Reise war vom Reiseveranstalter mediplus, www.mediplusreisen.de, bestens organisiert, das will ich hier

doch besonders hervorheben.

 

Dass es im Winter 2008 besonders kalt war, dafür ist der Reiseveranstalter nicht verantwortlich.

Durchweg waren wir für diesen Winter in Indien nicht ausgestattet. Natürlich hatte jeder einen oder maximal zwei

Pullover bzw. Strickjacken dabei, da man so ein Kleidungsstück am Abend immer mal braucht. Aber diesmal reichte das im Prinzip nicht; wir mußten eben immer die gleichen warmen Sachen anziehen.

Ich hatte zum Glück noch diverse Kaschmir-Stolen dabei, die mir gute Dienste leisteten.

 

Die Hotels waren im Prinzip alle super. Aber in allen ehemaligen Palästen gibt es Marmorboden; es ist also kalt. Und auch die Heizlüfter, die man uns da zur Verfügung stellte, beheizen riesige Zimmer - das größte hatte so ca. 35 qm plus

einem Bad von ca. 10 qm - nicht so gut.

Aber in den Betten habe ich niiiiieeeee gefroren, was Mitreisende von sich behaupteten (obwohl ich alleine war, und Frauen ja bekanntlich eher frieren als Männer).

 

Dass es keine Vergnügungs- bzw. Erholungsreise werden würde, konnte sich jeder mit gesundem Menschenverstand ausrechnen. Auch wenn es manchmal hart war. Aber man konnte ja dann im Bus noch ein bißchen schlafen.

 

Von vornherein konnte man der Reisebeschreibung entnehmen, dass der Transport in Indien im Bus erfolgt. Einige mitreisende Damen meinten, sie würden doch das Busfahren nicht vertragen und müssten immer vorne sitzen (es gab ein rotierendes System, so dass normalerweise jeder mal hinten, vorne usw. sitzen konnte).

Nachdem diese Damen aber dann ganz vorne an einem hohen Abhang stehen konnten (auf der Festung Jaisalmer) und auch am Kamelritt teilnehmen konnten (das alles hat ja mit dem Gleichgewichtssinn zu tun), erboste doch die meisten. Den Damen wurde klargemacht, dass sie sich der allgemeinen Ordnung zu beugen hätten. Aus, ¡basta!

 

Am meisten genossen habe ich persönlich die freien Tage, insbesondere den Tag in Karni Fort. Obwohl das Personal dieses Hotels zwar willig, freundlich, aber noch nicht so sehr geschult war; man kann eben nicht immer alles verlangen.

Es war für mich auch insbesondere eine Auszeit von der Gruppe. Ich hatte bisher solche Gruppenreisen noch nie gemacht. Früher nicht, und mit meinem verstorbenen Mann schon gar nicht. Wir machten uns immer alleine auf den Weg.

 

Aber für mich allein gab es jetzt erstmal nur diesen Weg. Ich war zwar vor vielen Jahren schon mal alleine in Thailand gewesen, aber diese Reise nach Indien hätte ich mir heutzutage nicht mehr zugetraut. Jetzt wieder ja! Ich würde ohne weiteres jetzt alleine nach Indien reisen.

Aber - alleine hätte ich auch nie soviel in so kurzer Zeit gesehen. Natürlich haben wir nicht alle sehenswerten Orte

gesehen, aber die meisten. Jetzt habe ich einen Überblick. Jetzt könnte ich auswählen und in ein kleineres Zielgebiet reisen.

Natürlich war für meine Wahl des Reiseveranstalters auch wichtig gewesen, dass ein Arzt mitreiste. Einfach so, zur

Vorsicht. Und wenn man nicht mehr so jung an Jahren ist, und ich bin Diabetikerin, und man geht, wenn möglich, dann in manchen Dingen doch lieber auf Nummer Sicher. Aber - wie schon gesagt - ich würde jetzt, nach meinen Erfahrungen, auch alleine nach Indien reisen.

 

Alle Menschen freuten sich, dass ich zumindest den/die Grußworte kannte: namaste - mit Betonung auf dem e - sagt man für Guten Tag usw., Auf Wiedersehen, also fast immer; manchmal auch namaskara, in selteneren Fällen auch "rama-rama"; das war in Jaisalmer so.

Ansonsten ist Amtssprache Englisch, sonst würden sich selbst Inder der verschiedenen Regionen nicht untereinander verständigen können.

 

Aber was mich gestört hat, und noch heute stört und worauf uns niemand vorbereitet hat, ist folgendes:

 

Indien will ein laizistischer Staat sein. Aber in der Alters- bzw. Gesundheits-Versorgung verlässt sich der Staat auf die Religionen, die vorschreiben, dass sich die Alten um die Jungen und umgekehrt kümmern. Und selbst Leute wie unser Reiseleiter Pammy, Sikh, mit mehreren Studien-Abschlüssen, finden das ganz in Ordnung. Alles ist Karma.

 

Offiziell gibt es zwar eine Schulpflcht, aber sie wird nicht immer durchgeführt - außer in Bengalen mit seiner

kommunistischen Regierung. Das heißt, ein Kind aus der Altstadt von Delhi z. B. hat gar keine Chancen, jemals aus diesem Umfeld rauszukommen. Es wird von "dummen" Eltern geboren und wird auch "dumm" sterben. Vielleicht hat er/sie ja Gutes getan und wird in seinem nächsten Leben dafür belohnt.

Die Menschen sind, glaube ich, so in diesem Glauben verwurzelt, dass sich da in absehbarer Zeit nichts ändern wird.

 

So wurde - ein Beispiel - (er wurde von einem Mitreisenden danach gefragt) auch Pammy mit seiner Einwilligung (man hatte es ihm freigestellt) von seinem Bruder (seine Eltern sind wohl früh verstorben) verheiratet. Denn nach seiner Überzeugung haben die Götter ja sowieso alles vorherbestimmt, und da ist es doch eh gleich was man macht.

 

Und so haben auch die Bemühungen von Mahatma Gandhi, der sehr verehrt wird, nichts genützt. Er wollte ja die Kasten-Schranken aufheben. Aber für die Priviligierten ist es doch einfach, wenn man einfach alles auf das Karma abschieben kann.

 

Wie am Anfang meines Berichtes gesagt: Ich wollte immer mal dahin. Aber nun weiß ich nicht, ob es schön

war. Es war interessant, aber schön - nicht nur.

 

Copyright © All Rights Reserved